Das Bernsteinzimmer

Die Faszination

Wer einmal am Strand der Ost- oder Nordsee entlang spaziert und den von Wellen vor die Füße gespülten „Stein des Lebens“ aufgreift, der mag kaum seinen Blick von dieser faszinierenden Arbeit der Natur lösen. Ein kleiner Schatz liegt in seinen Händen – ein Bernstein.

Bernstein ist ein Schmuckstein aus fossilem Harz, der durch die Kraft der Natur entstanden ist. Den baltischen Bernstein findet man an den Küsten der Ost- und Nordsee. Zu allen Zeiten galt Bernstein, der zu Schmuck-, Zier- und Gebrauchsgegenständen verarbeitet wurde, als Zeichen von Luxus und Macht. Die goldgelbe und rotbraune Farbigkeit und Transparenz gibt dem Edelstein sein charakteristisches Aussehen. Über ihm liegt dieser sanfte, goldgelbe Schimmer, der den Betrachter so tief berührt.

Der Mythos

Das berühmte Bernsteinzimmer aus dem Katharinenpalast in Zarskoje Selo bei St. Petersburg, ein Raum mit einer kompletten Wandvertäfelung, bleibt ein Mythos.

Das aus mehr als einer halben Million Bernstein­elementen bestehende Kunstwerk ist in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Seine außergewöhnliche Kostbarkeit und Kunstfertigkeit – es wurde als das achte Weltwunder bezeichnet – sowie sein mysteriöses Verschwinden sind für die andauernde Faszination ausschlaggebend, die von ihm ausgeht. Bis heute entzieht sich die wertvolle Wandvertäfelung den Blicken der Schatzsucher, Spione, Wahrsager, Kunstliebhaber und Historiker.

Die Geschichte

Der Preußenkönig Friedrich ­Wilhelm I schenkte einige Paneele des später in Danzig und Königsberg fertig gestellten Bernsteinzimmers, die ursprünglich für das Charlottenburger Schloss bestimmt war, im Jahre 1716 dem russischen Zaren Peter den Großen. Legendär bleibt ein Gegengeschenk von 55 „Langen ­Kerls“ die der Zar dem Soldatenkönig überließ. Katharina die Große ließ im Jahre 1770 Spiegelpilaster und vergoldete Schnitzereien einfügen, die das Bernstein­zimmer in seiner Pracht vollendeten.

Im Zweiten Weltkrieg sind die Bernstein­paneele nach Königsberg transportiert worden, bis sie 1945 auf ungeklärte Weise abhanden kamen. Seitdem ist das Bernsteinzimmer eine Legende und ein Symbol für die ungeheuren kulturellen Verluste während des Krieges.

Der Wiederaufbau

In der ehemaligen Sommer­residenz der russischen Zaren wurde 1981 die „Bernsteinzimmerwerkstatt Zarskoje Selo“ gegründet mit dem Ziel, das Bernsteinzimmer zu rekonstruieren und wiederherzustellen. Dies geschah nach altem Fotomaterial, einigen alten Fragmenten des Bernsteinzimmers und dank der akribischen Arbeit der russischen Kunst­historiker und dem Talent der russischen ­Architekten und Meistern der Bernstein­schnitzkunst.

2003 konnte zum 300jährigen Stadtjubiläum von Sankt Petersburg das zweite Bernstein­zimmer im Katharinenpalast eröffnet werden, das ebenso beeindruckend wie das verloren ­gegangene Original ist, das mehr als 200 Jahre in all seiner Pracht den Sitz der Zarin ­verschönte.

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